Die letzten beiden Wochen standen im Zeichen der Landschafts- und Reisefotografie. Das Ziel: Die Wüstenlandschaften des südlichen Namibias. Wetter und Fotobedingungen waren hervorragend, und alle Teilnehmer dieser Fotoreise sind mit vielen Eindrücken und tollen Fotos wieder sicher in der Heimat angekommen.  Auch mit dabei: Die inzwischen für mich zur Reisekamera #1 avancierte Leica M9. Die Vielfalt der Namibischen Landschaft ist atemberaubend. Zwischen den fotografischen Highlights müssen allerdings oft längere Fahrtstrecken zurückgelegt werden.

Getreu dem Motto „weniger ist mehr“ fiel bei der Planung dieser individuell für eine kleine 4-köpfige Reisegruppe zusammengestellten Fotoreise die Wahl daher auf die Top-Spots im Süden des Landes. Die Motive waren vielfältig: Von Dünenlandschaften über Architektur und Details in der Geisterstadt Kolmanskop bis zu kleinsten Lebewesen in der Namib.

Für die Wahl der Ausrüstung bedeutet dies: Das gesamte Spektrum vom Superweitwinkel bis zum leichten Tele bis 200mm, aber auch das Makroobjektiv können zum Einsatz kommen. Der Schwerpunkt wird jedoch eindeutig im Weitwinkel-Bereich liegen.

Viele Jahre lang habe ich mit großem Fotorucksack für die digitale Spiegelreflex samt Objektiven und einem ausreichend dimensionierten Stativ die Dünen erklommen. Statt rund 14 kg bringt meine Foto-Ausrüstung nun nur noch knapp 4 kg auf die Waage.
Dabei habe ich mich auf 3 Festbrennweiten zur Leica M9 (18MP Vollformat) beschränkt: Leica Summilux-M 1,4/24mm (mein Haupt-Objektiv für Landschaften), Leica Summilux-M 1,4/35mm (mein Allround-Reportage-Objektiv) sowie das Leica Summicron-M 2/75mm für Details und Portraits.

Als Stativ kommt ebenfalls ein Leichtgewicht zum Einsatz: Das Gitzo GT1543T Traveller. Mit einem Gewicht von nur 1 kg ist es trotzdem stabil genug, die leichte Leica M9 zu tragen. Zwar muss entgegen meiner Überzeugung die Mittelsäule häufig komplett ausgezogen werden, um die Kamera auf Augenhöhe zu bringen. Da die Leica M9 aber nicht mit den durch Spiegelschlag verursachten Vibrationen einer DSLR zu kämpfen hat, ist das in der Praxis kein Problem. Auch der zum Stativ gehörende Kugelkopf GH1780 TGR hat sich hervorragend bewährt. Lediglich die recht klobige Adapterplatte läßt den Ästheten erschaudern: Form follows function gut und schön, aber da gibt es doch bestimmt Etwas eleganteres.

Später Nachmittag im Köcherbaumwald – Leica M9, Summilux-M 1,4/24mm ASPH

Die erste Station ist der Köcherbaumwald bei Keetmanshoop. Die zu den Aloen gehörenden Pflanzen wachsen meistens an einzelnen Standorten. Hier steht eine ganze Ansammlung dieser bis zu 9 Meter hohen Gewächse. Besonders im warmen Licht des frühen Morgens und am Abend leuchtet die Rinde der Bäume golden.

Köcherbaumwald bei Keetmanshoop – Leica M9, Summilux-M 1,4/35mm ASPH

 

Nur wenige Kilometer weiter wartet das nächste Naturschauspiel, ein riesiges Feld aus blockverwittertem Gestein. Dem Anschein nach sind hier die riesigen Felsbrocken übereinandergestapelt worden, daher der Name „Spielplatz der Giganten“.

Blockverwitterung am Giants Playground – Leica M9, Summilux-M 1,4/24mm ASPH

Der erste Abstecher in die Wüste führt an die Küste nach Lüderitz. Während des Diamantenrausches Anfang des letzten Jahrhunderts entstand mit Kolmanskop eine komplette Stadt mit Turnhalle, Krankenhaus, Schule und großen Fabrikanlagen.

Geisterstadt Kolmanskop vor Sonnenaufgang – Leica M9, Summilux-M 1,4/35mm ASPH

Die Glücksritter folgten den Diamantenfunden und hinterließen Kolmanskop als Geisterstadt. Seitdem erobert die Wüste den Ort zurück. Fegen ist zwecklos, und so sind einige Räume gar bis zur Zimmerdecke mit Sand gefüllt.

Die Farbe an den Wänden ist noch gut erhalten, aber der Sand bahnt sich den Weg – Leica M9, Summilux-M 1,4/24mm ASPH

Die Vielfalt an Motiven läßt sich an einem einzigen Tag nicht erschließen, und so entdecke ich auch bei meinem fünften Besuch noch immer wieder neue Motive. Das Licht ist allerdings rar, und der Einsatz eines Blitzes würde die Stimmung des von Aussen einströmenden Lichtes zerstören. Mit dem lichtstarken Leica Summilux-M 1.4/24mm kommt bei der Available-Light Fotografie richtig Freude auf, auch wenn ich bei manchen engeren Räumen gerne noch etwas mehr Weite eingefangen hätte.

Vergessen, das Fenster zu schliessen … – Leica M9, Summilux-M 1,4/24mm ASPH

Inzwischen sind alle Teilnehmer an das warme Klima gewöhnt, aber die Temperaturen klettern mit weiterem Vordringen in Richtung Dünen des Sossusvlei unaufhörlich weiter. Am Morgen ist es noch angenehm kühl, dennoch erfordert der erste Aufstieg auf eine der hohen Sanddünen ein wenig Kondition. Der Lohn läßt nicht lange auf sich warten: Der Ausblick von den Dünen im Namib Naukluft Park, gepaart mit der Stille des Morgens, ist atemberaubend.

Düne in den Tirasbergen – Leica M9, Summilux-M 1,4/24mm ASPH
Sonnenaufgang im Sossusvlei – Leica M9, Summilux-M 1,4/24mm ASPH

Nicht ganz so hoch, aber dennoch mit einem etwa 30 minütigen Fussweg verbunden, erreicht man eines der wohl bekanntesten Motive für Naturfotografen in Namibia: Das Deadvlei. Die bizarren Formen der abgestorbenen Bäume, gepaart mit den Strukturen des trockenen Bodens fordern erneut die Kreativität des Fotografen. Brennweiten von 16 bis 35 mm sind hier perfekt. Motive lassen sich schnell finden, die Herausforderung liegt dann aber darin, keinen anderen Fotografen mit ins Bild zu bekommen ….

Im Dead Vlei – Leica M9, Summilux-M 1,4/35mm ASPH

Kaum zu glauben, aber es gibt in der Wüste mehr Lebewesen als uns Europäern bewusst sein mag. Viele Arten haben sich an die lebensfeindlichen Bedingungen angepasst – oft gut getarnt wie das Wüstenchamäleon, oder „unter Tage“ lebend wie der Palmato-Gecko.
Mit ein wenig Geduld kann man sich den Tieren bis auf wenige Zentimenter nähern – eine fotografische Aufgabe für Makro-Objektive. Mit der Leica M9 läßt sich diese Aufgabe nicht lösen, die Kompakte Leica D-Lux 5 erweist sich allerdings als perfekter Begleiter für das Makrofoto zwischendurch: Die Naheinstellgrenze von wenigen Zentimetern ermöglicht interessante Perspektiven und erfüllt trotz des kleinen Sensors auch gehobene Ansprüche an die Bildqualität:

Gut getarnt mit Rundumblick – Leica D-Lux 5
Zarte Haut: Der Palmato-Gecko ist nur Finger-groß – Leica D-Lux 5

Nach so viel Trockenheit kehren wir der Wüste langsam den Rücken. Zum Abschluss der 2-wöchigen Fotoreise durch Namibia stehen noch einmal Gesteinsformationen auf dem Programm. Langsam kämpft sich die Sonne am letzten Morgen den Weg durch die riesigen Felsformationen des Erongo-Gebirges und verzaubert das Gestein in eine Glutrote Traumlandschaft mit Gänsehaut-Garantie. Die Regenfälle der letzten Tage bescheren uns zusätzlich einige wenige Pfützen, die aber ausreichen, um das Bild noch interessanter zu gestalten.

Blick auf Elephants Head im Erongo-Gebirge – Leica M9, Summilux-M 1,4/35mm ASPH

Bleibt zum Schluss die Frage, ob ob man bei so vielen Weitwinkel-Aufnahmen nicht auf das 75mm Tele ganz verzichten kann. Sicher, oft genutzt habe ich es nicht, um genau zu sein nur ein einziges Mal. Aber in dieser Situation hätte ich es nicht missen wollen:

Sonnenaufgang im Erongo-Gebirge – Leica M9, APO-Summicron-M 2/75mm