Vogelfotografie bei Nacht
11. Juni 2010 | Autor: Viola Brandt
Auf den Shetland-Inseln hatte ich Gelegenheit, Sturmschwalben (Storm Petrel, Hydrobates pelagicus) beim Aufsuchen ihrer Brutplätze zu beobachten. Diese kleinen und quirligen Seevögel kommen nur während der Brutzeit an Land. Und das auch nur, wenn die Dunkelheit zum Ende eines Tages anbricht und sie vor Feinden, wie z. B. der Schmarotzerraubmöwe, schützt. Ihr guter Geruchssinn und das Rufen des Partners hilft ihnen den Nistplatz in der Brutkolonie zu finden.
Natürlich wollte ich gerne die kleinsten – zu den Röhrennasen gehörenden – Seevögel beim Anflug ihrer Brutplätze fotografieren. Das Problem war nur wie, denn die Aktion fand ja bei Nacht statt und der Einsatz von Blitzlicht kam nicht in Frage, da das Licht die Tiere irritieren und in Gefahr bringen könnte. Sie schwirren rasend schnell durch die Luft (wie Schwalben) und verschwinden ruck zuck an ihrem Nistplatz, der sich zwischen Steinen alter Gemäuer (oder unter Steinen am Boden) befindet. Ein wirklich beeindruckendes Schauspiel. Je dunkler es wird, um so mehr Vögel suchen die Brutkolonie auf.
Die einzige Möglichkeit – mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln – war, die ISO der Nikon D700 bis zum Anschlag hoch zu drehen und ein lichtstarkes Objektiv einzusetzen. Eine Langzeitbelichtung kam nicht in Betracht, da die Sturmschwalben nicht in großen Schwärmen, sondern vereinzelt einfliegen. Und wenn sie auftauchen, sind sie auch schon wieder aus dem Bild. So habe ich einfach ein wenig experimentiert und war gespannt, ob was Brauchbares rauskam. Wie es Bild-mäßig auch enden sollte, die Atmosphäre auf einer unbewohnten Insel in der Nacht, der spezielle Geruch dieser Vögel und ihre geisterhaften Laute waren ein ganz besonderes Erlebnis. Auch wenn es trotz 4 Kleidungsschichten noch immer ungemütlich kühl war. Nicht zu fassen, dass es Anfang Juni ist. Um 2 Uhr fiel ich müde ins warme Bett und noch während des Einschlafens tanzten die kleinen, schwarzen Sturmschwalben vor meinen Augen.
Die Sichtung der Bildergebnisse am nächsten Tag zeigte – wie erwartet – größtenteils missratene Aufnahmen. Zu sehen war nichts außer Himmel. Wenn ein Vogel im Bild war, fehlte die Hälfte oder mehrere Tiere präsentierten sich in einem unschönen Durcheinander. Bewegungsunschärfe ist ja ganz nett, wenn aber nur noch ein dunkler Strich zu erkennen ist, ich weiß nicht …
Aber siehe da, ein paar wenige waren gar nicht so schlecht. So wie dieses hier, dass die Silhouette einer Sturmschwalbe beim Anflug des Nestes in einer Mauer zeigt. Die Aufnahme ist aus technischer Sicht wie folgt entstanden: Nikon D700, AF-S 28-70mm/2.8, Blende 2.8, ISO 6400, 1/50 Sek., 23:51 Uhr, aus der Hand fotografiert.
Sorry, dass ich keine Nah-/Detailaufnahme der entzückenden Sturmschwalbe präsentieren kann. Dies bleibt nur meiner Erinnerung vorbehalten, als eins der Tiere im Abstand von einem Meter kurz an der Mauer inne hielt, bevor es in den Steinritzen verschwand.

Sturmschwalbe (Foto: Viola Brandt - BRANDT IMAGES)
Shetland Trip
10. Juni 2010 | Autor: Viola Brandt
Ich war zwei Wochen auf den Shetland Inseln unterwegs – auf der Suche nach Vögeln. Das Wetter war insgesamt durchwachsen, eher kalt und überhaupt nicht sommerlich. Ohne lange Unterwäsche, Wollmütze und Schal konnte man dem stets vorhandenen und kalten Wind nicht trotzen. Regenschauer blieben auch nicht aus – ohne wäre es aber kein echtes Schottland-Feeling. Wie in Deutschland war der Winter in Shetland streng und der Frühling sehr kalt, so dass viele Vögel noch mit der Brut beschäftigt waren.Meine Lieblingsvögel – die Papageitaucher – waren dadurch am Tage an Land leider nicht so zahlreich anzutreffen, sondern hockten in ihrer Bruthöhle bzw. befanden sich auf See. Am Tage bedeutet im Moment auf den Shetland Inseln annähernd “rund um die Uhr”. Denn Sonnenuntergang ist nach 21 Uhr und Sonnenaufgang bereits um 2:30 Uhr. Dennoch, ich konnte die Clowns und ein paar andere mit der Kamera erwischen. Einige Aufnahmen von meinem Shetland-Aufenthalt sind in der Bilder-Galerie “neue Bilder” zu sehen.

Gryllteiste (Foto: Viola Brandt - BRANDT IMAGES)
Opfer der Digital-Fotografie
1. Juni 2010 | Autor: Claus Brandt
Seit 2004 fotografiere ich digital. Damals haben die „digitalen“ Kollegen neben mir gnadenlos den Auslöser bei 8 Bildern pro Sekunde gedrückt gehalten, während ich behutsam mit meinem Filmmaterial umging. Kostet ja nix. Die Entwicklung meiner 15 Diafilme nach 1 Woche Helgoland hat dagegen ein gefühltes Vermögen gekostet: knapp 300 Euro – ohne Rahmung, aber immerhin im Fachlabor. Grund genug, sich auf die Suche nach einer digitalen Spiegelreflex-Kamera zu machen. Eine Nikon D2h machte den Anfang, wenig später folgte im März 2005 eine Nikon D2x. 5000 € wandern über die Theke des Fotohändlers. Nun gut, meine analoge F5 hat mir auch lange gute Dienste erwiesen.
Gestern war es dann soweit. Ich habe meine geliebte D2x, immerhin eine 12 MP-Kamera, verkauft, weil ich umgestiegen bin — so wie viele andere Profis auch, auf Vollformat. Nicht mal mehr 1000 € habe ich bekommen für eine gerade mal 4 Jahre Profi-Kamera mit gut 50.000 Auslösungen.
Die Bildqualität und die Vorteile des geringen Rauschens bei hohen ISO-Werten sprechen sicher für den Vollformat-Sensor. Auch bin ich viel zu fanatisch, was die Qualität meiner Bilder angeht, als dass ich diesen Wechsel (zurück!) zum Vollformat nicht mitmachen würde. Neben einer neuen Kamera sind aber dann auch gleich neue Objektive fällig geworden: Das 12-24 DX ist obsolet, und auch die in 2005 für das digitale Format gekauften 2.8/70-200mm und 4/200-400mm vignettierten am Vollformat. Also musste Ersatz her. Kaum ist das alte 200-400 verkauft und der Wechsel zurück auf Festbrennweite vollzogen, bringt Nikon ein für Vollformat optimiertes 200-400mm auf den Markt. Kann man denn nicht Objektive und Kameras gleichzeitig entwickeln, um dann auf einen Schlag den Berufsfotografen das passende Werkzeug in die Hand geben?
Sicher, die Digital-Fotografie hat viele Vorteile. Doch seitdem wir es auch bei Kameras mehr mit Computern als mit mechanischen Geräten zu tun haben, geben wir doch alle zusammen verdammt viel Geld aus, um auch ja auf der Höhe der Zeit bleiben. Und was bleibt auf der Strecke? Den perfekten Moment im Bild festzuhalten. Denn dafür ist ja keine Zeit mehr vor lauter Fachsimpeln im Foren und Recherche nach den neuesten Nachrichten aus der Technik-Gerüchteküche. Und auch kein Geld – denn das nächste Gehäuse mit über 24MP kommt bestimmt, und da muss man dann ja schon mal anfangen zu sparen …
